„Zwei weiße Täubchen zum Advent“

01.12.19

(Foto gemalt/gestaltet und Text: Jana Goeritz)

Zwei weiße Täubchen wohnten einst tief im Wald auf einer grünen Tanne.
Es war ein kalter Winter und es hatte in der Nacht geschneit. Der Schnee lag meterhoch im Wald und die grünen Tannen trugen nun zu meist ein weißes Kleid, bis auf die Zweige, denen der Schnee zu schwer geworden war und er zur Erde fiel.
Niemand hatte bisher diesen Tannenwald je gesehen, ja noch nie auch nur einmal davon gehört. Bis zu dem Tag als ein Engelchen sich auf der Tanne ausruhte, in denen die Täubchen zu Hause waren und sein strahlendes Kleid vom kalten Glitzerschnee befreite.
Es klopfte sein schönes Kleid ab und bewegte seine Flügel immer zu.
Die Zweige der Tanne bewegten sich und die zwei weißen Täubchen, fürchteten sich etwas dadurch, denn es war windstill.  Doch sie brachten genug Mut auf, um nachzusehen, warum die Zweige sich so bewegten.
„Ein Engelchen auf unserer Tanne?“, flüsterte das eine Täubchen.
Das andere nickte zustimmend und beide fragten sich, wie das Engelchen wohl zu ihnen fand. Der Wald sei doch so groß und fast unendlich, keine Menschenseele und auch kein weiteres Getier hatte je hierher gefunden, und auch kein Engel bisher.
Die zwei Täubchen flogen hinauf zum Engelchen auf die Zweige und fragten einstimmig, „Warum bist du denn hier, bist du zu Besuch?“
Das Engelchen lächelte und begrüßte die weißen Täubchen.
„Ich bin hier, um euch einen Wunsch zu erfüllen.“ dabei glitzerte das Kleidchen des Engelchens im Mondenschein noch mehr als zuvor.
„Wir dürfen uns etwas wünschen?“, fragten die beiden Täubchen erstaunt.
„Ihr seid die Friedensboten dieser Welt und seid schon so viel geflogen. Dieses Jahr dürft ihr euch etwas wünschen.“ Die beiden Täubchen freute das, denn gern hätten sie ein schönes Häuschen für sich.
Mit diesem Wunsch brach das Engelchen wieder auf und sagte zum Abschied,
„Am Tag vor dem nächsten Vollmond, wird euer Wunsch in Erfüllung gegangen sein.“
Das Engelchen verschwand im weißen Winterwald und die weißen Täubchen blieben in ihrer Tanne zurück, sie hatten noch gutzutun, doch als der Tag heran nahte und der Mond sich fast vollständig am Himmelszelt zeigte, trauten die weißen Täubchen ihren Augen kaum. Was sie da erblickten, war wunderschön anzusehen.
In ihrer Tanne war ein großes grün glitzerndes Taubenhäuschen mit einem Fenster und über dem Eingang des Häuschens strahlte ein silberner Blütenkranz. Sein Dach war aus dunklem Schiefer und die Täubchen erfreuten sich an ihrem Geschenk so sehr, das sie sich gewünscht hätten, alle Tiere die es nah und fern gäbe, auf ein schönes Fest einladen zu können. Ob dieser Wunsch für sie auch in Erfüllung gegangen war, wer weiß.

 

http://buchkaleidoskop.reikipraxis-goeritz.de/78.html

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